Forchini, die neue Königin auf der Marathondistanz, hofft in Evolène am Start zu sein

Ramona Forchini konnte im letzten Oktober als erst vierte Schweizerin einen MTB Weltmeistertitel auf der Marathondistanz feiern, nach Petra Henzi, Esther Süss und Jolanda Näff. Eine grosse Überraschung für die Sankt Gallerin, die sich erst kürzlich von Gesundheitsbeschwerden erholt hatte, aber so eindrücklich ihr Potential in dieser Disziplin aufzeigt. Falls ihr XCO Kalender es zulässt, wird sie sicher eine der Favoriten auf das Podest an den Europameisterschaften in Evolène sein.

Die Saison endete grandios mit diesem Weltmeistertitel, dabei hatte alles so schlecht angefangen. Kannst du uns mehr über diese Infektion erzählen, die deine Saison sehr gestört hat und dich bis September daran hinderte, Rennen zu fahren?

Das Jahr 2020 war schwierig. Nicht nur Corona änderte unseren Rennkalender, auch eine zweimonatige Zwangspause durchkreuzten meine Pläne. Ich startete im Frühjahr mit dem wiederholten Gesamtsieg des Mediterranean Epics perfekt in die neue Saison. Danach folgte der Lockdown. Die Zeit konnte ich gut nutzen für den Formaufbau. Doch just bevor es mit dem Rennen im Juli wieder los ging, plagte mich einen viel zu grossen und abszedierten Lymphknoten unterhalb der Leiste auf dem Oberschenkel. Nach langem hin und her lehnte ich die empfohlene Operation ab. Mir war bewusst, dass das eine mutige Entscheidung ist, doch es fühlte sich nicht richtig an. Mit der OP wäre die Saison so oder so zu Ende gewesen, also warum nicht anderst versuchen?

Nach alternativen Unterstützungen des kompletten Lymphsystems besserte es tatsächlich. Und ich durfte erste Trainingseinheiten als Testphase absolvieren. Die ganze Situation blieb stabil. 

Du hast letztes Jahr in Scuol deine erste Schweizer Marathon-Mountainbike-Meisterschaft bestritten. Welche Erfahrungen hattest du bisher in dieser Disziplin gemacht?

Dass ich in der Marathondisziplin mit sehr wenig Aufwand ganz ordentliche Resultate fahren kann, bewies ich immer wieder.

Doch für die SM hatte ich ein anderes Ziel. Sie sollte für mich der „erneute Saisoneinstieg“ sein, um wieder in den Rennrythmus zu gelangen und um zu sehen, wie es mir nach der Zwangspause ging.

Nach einer erfolgreichen XC-Europameisterschaft warst du in die Türkei gereist, um an den Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften teilzunehmen. Was war dein Ziel am Anfang?

Die Selektion für die Heimeuropameisterschaft kam für mich sehr überraschend. Überraschender war dann auch mein Resultat mit dem 12. Rang. Dort wurde mir bewusst, dass ich im Renngeschehen wieder mitreden kann. Und ich wurde für die WM in der Türkei selektioniert. Ich hatte kein wirkliches Ziel. Ich wollte einfach noch Rennen fahren, weil ich das so sehr vermisst hatte. Und ich wollte etwas Neues erleben.

Du hattest dann ein großartiges Rennen und gewannst schließlich den Sprint vor Maja Włoszczowska, die bereits die Weltmeisterschaften im XC und im Marathon gewonnen hatte. Wie bist du mit dem Ende des Rennens gegen einen so erfahrenen Läufer umgegangen?

Bis zum Ende des Rennens wurde die Spitzengruppe immer kleiner. Bis letztendlich nur noch Maja und ich übrig blieben. Klar fühlt man sich neben einer mehrfachen Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnerin winzig klein. Doch das war keinen Grund locker zu lassen.

Du hattest 2015 bereits die U23-Weltmeisterschaft in XC gewonnen. Kannst du diese beiden Titel vergleichen?

Für mich haben beide Weltmeistertitel gleich viel Wert. An einer WM stehen stets die Athleten, welche sich eine Medaillenchance ausrechnen – also die aktuell Besten der Welt. Egal in welcher Altersklasse oder Disziplin. Einen Vergleich kann man deshalb nicht machen.

Zwischen Cross-Country und Marathon wird es in der Saison 2021 hoch hergehen… Werden die Europameisterschaften im Mountainbike-Marathon einen Platz in deinem Kalender finden?

Ich bin sehr gespannt wie die Saison 2021 vonstatten geht. Wann wir den definitiven Saisonstart haben, ist zurzeit noch offen. So bin ich gezwungen flexibel zu bleiben und Rennen um Rennen zu nehmen. Gerne möchte ich an der Heim-EM im Marathon starten. Wie sich das mit dem XCO-Kalender vereinbaren lässt, ist zurzeit noch unklar.


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