Wie erwartet entwickelte sich der Kampf um den Sieg beim Raid Evolénard, der gleichzeitig als Schweizer Marathon-Bike-Meisterschaft galt, zu einem Duell zwischen dem deutschen Sieger der Vorjahresausgabe, Andreas Seewald, und dem Schweizer Titelverteidiger Casey South. Auf der 62 km langen Strecke setzte sich Seewald zum vierten Mal durch, während South seinen nationalen Titel erfolgreich verteidigen konnte. Silber bei der Schweizer Meisterschaft ging an Martin Fanger, Bronze, wie im Vorjahr, an den Bündner Andrin Beeli. Bei den Frauen sicherte sich die Basler Vize-Weltmeisterin Anna Weinbeer erstmals den Schweizermeistertitel, mit der Italienerin Claudia Peretti und der Französin Margot Moschetti auf den Plätzen dahinter. Die übrigen nationalen Podestplätze gingen, bereits zum dritten Mal in Folge, an die Bündnerin Alessia Nay (Silber) vor der Oberwalliserin Stefanie Zahno (Bronze).
Seewald in Evolène weiterhin unbesiegt
Bereits zu Beginn versuchte ein Schweizer Trio, bestehend aus Casey South, Martin Fanger und Fadri Barandun, mit einer frühen Attacke eine vorzeitige Entscheidung zu erzwingen. Die Verfolgergruppe um die übrigen Favoriten Andreas Seewald, Andrin Beeli, Frans Claes und Marc Stutzmann liess den drei Ausreissern jedoch nur eine Minute Vorsprung, bevor sie reagierte. Seewald, gefolgt mit etwas Verzögerung von Beeli und Claes, erhöhte daraufhin das Tempo, um den Rückstand kontinuierlich zu verkleinern. Bei der ersten Durchfahrt durch die Zielzone in Les Haudères lag der Deutsche nur noch 30 Sekunden hinter dem Duo South und Fanger zurück, vor Barandun mit 15 Sekunden Rückstand.

Wie schon in den Vorjahren entschied der Schlussanstieg nach Béplan, dem höchsten Punkt der Strecke auf 2’480 Metern vor der langen Abfahrt ins Ziel, über den Sieg. „Das Rennen war von Anfang an extrem schnell, mit Casey und Martin, die ein unglaubliches Tempo vorlegten. Ich musste sie ziehen lassen,“ erinnerte sich Andreas Seewald. „Im zweiten Anstieg konnte ich wieder aufschliessen, hatte dann aber bei der Abfahrt ein technisches Problem, und es dauerte eine Weile, bis ich den Rückstand ein zweites Mal aufgeholt hatte. Casey hat mir einen echten Kampf geliefert, er hat klar sehr stark gedrückt. Am Ende hatte ich einfach noch etwas mehr Reserven für den Schlussanstieg.“ South überquerte schliesslich die Ziellinie mit 93 Sekunden Rückstand. Trotz drückender Hitze unterbot der Deutsche seinen eigenen Streckenrekord um drei Minuten und finishte in 3:03:45.

Pour South, l’objectif du jour était avant tout le titre national plutôt que la victoire au scratch. « Le parcours est vraiment magnifique et j’ai beaucoup aimé, » a-t-il déclaré. « J’ai imposé un rythme soutenu dès le départ pour scinder le groupe, et je me suis finalement retrouvé en tête avec Fanger. Nous avons bien collaboré. Dans la montée finale, j’ai dû laisser filer Seewald, mais j’ai réussi à creuser un grand écart sur Martin, donc je suis heureux d’avoir défendu avec succès mon maillot suisse. »

Für South war das eigentliche Ziel des Tages der nationale Titel und nicht der Tagessieg. „Die Strecke ist wirklich wunderschön, und es hat mir grossen Spass gemacht,“ sagte er. „Ich habe von Beginn an ein hohes Tempo vorgelegt, um die Gruppe zu spalten, und fand mich schliesslich mit Fanger an der Spitze wieder. Wir haben gut zusammengearbeitet. Im Schlussanstieg musste ich Seewald ziehen lassen, aber ich konnte einen grossen Vorsprung auf Martin herausfahren, deshalb bin ich froh, dass ich mein Schweizer Trikot erfolgreich verteidigen konnte.„
Dahinter blieb der Kampf um Silber bei der Schweizer Meisterschaft bis zum Schluss offen: Beeli, der im Schlussanstieg wieder bessere Beine bekam, konnte zu Fanger aufschliessen, und die beiden lieferten sich ein direktes Duell um den zweiten Platz der nationalen Meisterschaft, das erst im Sprint entschieden wurde, wo sich Fanger gegen Beeli durchsetzte.

Anna Weinbeer wieder in einer eigenen Klasse
Bei den Frauen fiel die Entscheidung früher. Die beiden Hauptanwärterinnen, Anna Weinbeer und die italienische Meisterin Claudia Peretti, fuhren zunächst gemeinsam, bevor sich die Schweizerin absetzte. Dahinter folgten, bereits in respektablem Abstand, die ehemalige französische Meisterin Margot Moschetti sowie die übrigen Anwärterinnen auf die nationalen Medaillen: Alessia Nay, Stefanie Zahno und Chrystelle Baumann.

Weinbeer erreichte Les Haudères als alleinige Führende, bereits mit über vier Minuten Vorsprung auf Peretti. Dieser Abstand wuchs bis ins Ziel kontinuierlich an, wo die Baslerin ihre Strecke schliesslich in 3:41:19 beendete und damit den bisherigen Frauen-Streckenrekord der ehemaligen Weltmeisterin Esther Süss um mehr als sechs Minuten unterbot. „Ich bin wirklich sehr glücklich über meinen ersten Schweizermeistertitel. Dass ich bei dieser Hitze den Rekord brechen würde, hätte ich nicht erwartet,“ erklärte Anna Weinbeer nach dem Rennen. „Im letzten Anstieg habe ich die dünne Luft deutlich gespürt und mehr gelitten als gedacht, aber die Strecke war wahnsinnig schön, und die Singletrail-Passage bei der letzten Abfahrt habe ich sehr genossen.„

Für Peretti, amtierende Siegerin des Hero Dolomites, brachte der Tag keine Wiederholung dieser Erfolgsserie, doch die erstmalige Teilnahme am Raid Evolénard war für sie bereits Lohn genug. „Ich wollte schon seit mehreren Jahren am Raid Evolénard teilnehmen, habe es aber leider wegen verschiedener Terminkonflikte bisher nie in meinen Rennkalender einbauen können,“ sagte Claudia Peretti. „Das Rennen hat meine hohen Erwartungen voll erfüllt: Die Strecke macht grossen Spass, mit einem schnelleren ersten Abschnitt, gefolgt von einer technischeren zweiten Hälfte. Auf den Anstiegen geniesst man einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden Berge, und die Ankunft in der Arena war einfach spektakulär. Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit, einen zweiten Platz, mit dem ich sehr zufrieden bin, und den grossen Wunsch, ins Val d’Hérens zurückzukehren, vielleicht als Touristin, um dieses wunderschöne Tal noch besser zu entdecken.„

Moschetti komplettierte das Podest mit 21:34 Rückstand auf die Siegerin, vor Alessia Nay, die zum dritten Mal in Folge Schweizer Vizemeisterin wurde, und Stefanie Zahno, die der Siegerin mehr als eine halbe Stunde abgeben musste, sich damit aber die nationale Bronzemedaille sicherte.

