Der diesjährige Jura Bike Marathon bot auf seiner anspruchsvollen 71-Kilometer-Schleife mit rund 2800 Höhenmetern packenden Mountainbikesport und Vorentscheidungen an den Schlüsselstellen des Waadtländer Juras. Das Herzstück der Strecke – der berühmt-berüchtigte, extrem steile Schiebeabschnitt hinauf zur Dent de Vaulion – mit 1482 Meter über Meer das Haupthindernis der Runde – wurde auch dieses Mal zum Scharfrichter über Sieg und Niederlage.
Bei den Männern entwickelte sich von Start weg in Vallorbe ein taktisch geprägtes, schnelles Rennen. Bis zum kräftezehrenden Fuss der Dent de Vaulion hatte sich ein Trio bestehend aus Tim Smeenge, Tristan Arioli und Jakob Hartmann vom Rest abgesetzt und bestimmte an der Spitze das Tempo. Bereits in den ersten steilen Rampen stellte sich heraus, dass Smeenge noch die meisten Reserven freimachen konnte. Mit unbändigem Willen setzte er sich in der Schiebepassage von seinen Kontrahenten ab. Der Niederländer, der anfangs Mai bereits Zweiter des gut besetzten Marathons in Riva del Garda geworden war, rettete seinen Vorsprung auf den verbleibenden zwölf Kilometern durch die technisch anspruchsvollen Singletrails hinab ins Ziel nach Vallorbe und feierte einen Solosieg.

Micha Klötzli aus Tramelan bester Schweizer
Der 21 Jahre junge Franzose Arioli sicherte sich mit 46 Sekunden Rückstand den zweiten Rang. Weitere 90 Sekunden vergingen, ehe der Deutsche Hartmann das Ziel als Dritter erreichte – sieben Sekunden vor dem in der Schweiz lebenden Belgier Frans Claes, der das das Podest als Vierter knapp verpasste, im Spurt aber noch den Italiener Alessandro Saravalle bezwang. Bester Schweizer wurde Micha Klötzli auf dem sechsten Rang. Er sagte: «Als Dritter des Vorjahres wollte ich natürlich wieder einen Podestplatz erreichen, merkte aber bald, dass das Tempo an der Spitze zu hoch für mich war und fuhr meinen eigenen Rhythmus. Mit Platz sechs muss ich zufrieden sein, denn die Besetzung war hochkarätiger als im Vorjahr.» Co-Favorit Martin Fanger erwischte nicht seinen besten Tags. Gesundheitlich leicht angeschlagen mit einer Erkältung ins Rennen gestartet, erlitt er in der Abfahrt auch noch einen Reifendefekt und verlor damit seine Chance auf einen Podestplatz; Fanger rettete sich auf Platz acht ins Ziel.
Anna Weinbeer: Eine Klasse für sich
Im Rennen der Frauen erlebten die Zuschauer erneut eine regelrechte Machtdemonstration. Die im Weltcup führende Vizeweltmeisterin Anna Weinbeer drückte dem Marathon von Beginn an ihren Stempel auf. Die Bike-Marathon-Classics-Gesamtsiegerin des Vorjahres meisterte die Juragipfel in ihrer eigenen Liga. Bis ins Ziel betrug ihr Vorsprung auf die zweitplatzierte Alessia Nay mehr als 20 Minuten. Nay wiederum lieferte sich auf dem finalen, von Gegenanstiegen geprägten Kammweg zurück nach Vallorbe ein packendes Duell gegen die Französin Margot Moschetti und konnte sich im packenden Finale erfolgreich durchsetzen.

